In seiner multimedialen Arbeit setzt sich der Kremser Künstler Konrad Stania mit der Fragilität von Erinnerung, Kindheit und gesellschaftlicher Sicherheit auseinander. Eine Tafel mit Namen gefallener Soldaten, fotografiert auf Kriegerdenkmälern des Ersten Weltkriegs, trifft auf die stille Szenerie eines verlassenen Spielplatzes im Wald – ein eindringlicher Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Unbeschwertheit und Verlust. Über einen QR-Code gelangen Interessierte zu einer App, mit der die Namen der Soldaten direkt auf dem Spielplatzfoto am eigenen Smartphone sichtbar gemacht werden können.
Brandaktuelles Ausstellungsthema
Bildwissenschafterin Viola Rühse brachte den Gästen das Werk eindringlich näher. Gezeigt werden ausschließlich männliche Vornamen, die somit bewusst aus ihrem ursprünglichen Kontext gelöst wurden. Die entstehenden Leerstellen verweisen auf Frauen, die in Kriegen oftmals zu den Hauptleidtragenden zählen – traumatisiert, vergewaltigt oder verwitwet. Rühse verwies darauf, dass Krieg durch den Ukrainekrieg auch für uns „friedensverwöhnte Generationen“ wieder deutlich nähergerückt sei: „Die Ausstellung ist der Beweis dafür, wie wichtig kritische Kunst in diesen Zeiten ist.“
„Essenz dessen zeigen, was vom Krieg übrigbleibt“
Künstler Konrad Stania erklärte, er habe sich bewusst gegen schaurige Bilder entschieden. Ihm gehe es darum, „die Essenz dessen zu zeigen, was vom Krieg übrigbleibt“. Er wünsche sich, dass sich die Betrachtenden Zeit nehmen, innehalten und eigene Positionen hinterfragen. Stania, 1961 in Krems geboren, studierte Kulturtechnik und Wasserwirtschaft an der BOKU Wien und promovierte im Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft. Seit 1993 ist er im Bundesdienst im Bereich der Internationalen Wasserwirtschaft tätig und engagiert sich parallel dazu künstlerisch in den Bereichen Fotografie und Medien. Er ist Initiator des Kunstprojekts „Mailüfterl“ in Krems und Vorstandsmitglied der Fineart Galerie Traismauer.
„Kunst ist auch gesellschaftliche Arbeit“
Kulturgemeinderätin Elisabeth Kreuzhuber präsentiert mit der Ausstellungsreihe „Spot on“ regelmäßig künstlerische Positionen im Rathausfoyer: „Krems ist reich an Kunstschaffenden. Mit ‚Spot on‘ möchten wir Kremser Künstler:innen eine Bühne bieten und gleichzeitig den Rathausbesucherinnen und -besuchern die Möglichkeit geben, mit Kunst in direkten Kontakt zu kommen.“ Es sei ihr ein großes Anliegen, dass Politik den Kunstschaffenden Wertschätzung entgegenbringe: „Denn Kunst ist auch gesellschaftliche Arbeit.“
Angebot zum Innehalten, Nachdenken und Diskutieren
Auch Rosemarie Bachinger, Leiterin des Präsidialamts und der Stadtkommunikation, unterstrich die Relevanz der aktuellen Ausstellung: „Sie erinnert uns daran, wie nah Unbeschwertheit und Verletzlichkeit beieinanderliegen und wie wichtig es ist, genau hinzuschauen – auch bei Themen, die man gerne verdrängt oder vergisst.“ Das Rathaus sei stets ein Ort des Austausches und des Dialogs gewesen. Genau hier setze die Ausstellungsreihe „Spot on“ an: Kunst wird bewusst dorthin gebracht, wo Menschen einander begegnen. „Kunst im Rathausfoyer ist kein dekoratives Beiwerk, sondern ein Angebot zum Innehalten, zum Nachdenken – und, wenn man möchte, auch zum Diskutieren“, betont Bachinger, die die Ausstellung organisiert hat.
Ausstellung läuft bis 28. Mai
Die Ausstellung „Spot on: Erinnerungen“ ist bis 28. Mai bei freiem Eintritt im Rathausfoyer Krems, Obere Landstraße 4, zu sehen: Montag bis Donnerstag von 8 bis 16 Uhr und Freitag von 8 bis 12 Uhr. Ein erläuternder Text zum Werk, verfasst von Viola Rühse, liegt vor Ort zur freien Entnahme auf.
Weitere Informationen zum Künstler: www.konradstania.at