Manuel Apfelthaler hat selbst eine Polytechnische Schule besucht, danach eine Lehre als Elektriker absolviert und anschließend praktische Erfahrung im Berufsleben gesammelt. Nach seiner Gesellenprüfung entschied er sich, die Matura nachzuholen und an der KPH zu studieren, die er mit dem Master of Education abschloss. Seit 2022 ist er an der PTS Krems tätig und leitet dort den Fachbereich Elektrotechnik. Seit Schuljahresbeginn 2026/27 steht er der Schule als Direktor vor. Im Interview spricht er über seine Motivation, seine Ziele für die PTS Krems und darüber, welche Chancen die Schule jungen Menschen für ihren weiteren Berufsweg eröffnet.
Was hat Sie dazu motiviert, die Leitung der Polytechnischen Schule zu übernehmen?
Manuel Apfelthaler: Ich hatte an der PTS Krems von meinem ersten Arbeitstag an das Gefühl, dass hier die Möglichkeit besteht, neue Wege zu gehen und Dinge aktiv weiterzuentwickeln – sei es in der Elektrotechnik-Werkstatt, als Klassenvorstand oder in der täglichen Arbeit mit unseren Schüler:innen. Für die erfolgreiche Umsetzung neuer Ideen braucht es dabei oft das gesamte Lehrerteam, die Bildungsdirektion und auch den Schulerhalter. In den vergangenen Jahren habe ich erlebt, was möglich ist, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Wir konnten in den vergangenen Jahren bereits viel bewegen. Gleichzeitig sehe ich noch großes Potenzial, die Rolle der PTS Krems als wichtige Schnittstelle zwischen Schule und Wirtschaft weiter zu stärken. Genau diese Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam mit meinem Team etwas zu bewegen, hat mich motiviert, die Leitung der Schule zu übernehmen.
Welche Schwerpunkte möchten Sie als neuer Direktor setzen?
Das Herzstück unserer Schule sind die Fachbereiche – und genau dort möchte ich ansetzen. Wir wollen den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen und gleichzeitig noch professioneller werden.
Von unseren Schüler:innen wird in der Lehre erwartet, dass sie eigenständig, engagiert, höflich, pünktlich und verantwortungsbewusst arbeiten. Im Idealfall entwickeln sie darüber hinaus Freude und Begeisterung für ihren Beruf. Genau diese Haltung wollen wir bereits an der PTS fördern. Dabei ist mir ein Punkt besonders wichtig: Lernen bedeutet auch, Fehler machen zu dürfen. In den Fachbereichen können Schüler:innen Dinge ausprobieren, Erfahrungen sammeln und aus Fehlern lernen. Genau das bereitet sie auf die Realität in der Arbeitswelt vor.
Unser Ziel ist klar: Wer die PTS Krems absolviert, soll einen deutlichen Vorsprung für den Einstieg in die Lehre mitbringen – fachlich, praktisch und persönlich. Die Zeiten, in denen man im „Poly“ einfach nur das neunte Schuljahr absolviert, sind längst vorbei.
Was macht für Sie eine gute Polytechnische Schule aus?
Für mich besteht eine gute Polytechnische Schule aus drei wesentlichen Säulen: qualifizierten Fachbereichen, fundierter Berufsorientierung und der persönlichen Entwicklung unserer Schüler:innen. Die PTS bietet Jugendlichen die wertvolle Möglichkeit, ihre eigenen Stärken und Schwächen kennenzulernen, verschiedene Berufsfelder auszuprobieren und herauszufinden, welcher Beruf zu ihnen passt. Anschließend geht es darum, in diesem Bereich gezielt Kompetenzen aufzubauen.
Deshalb ist für mich entscheidend, dass die Fachbereiche tatsächlich eigenständig geführt werden. Wer beispielsweise Elektriker:in werden möchte, soll auch im Fachbereich Elektrotechnik arbeiten und dort von Fachlehrkräften auf die Anforderungen der Lehre vorbereitet werden. Dazu gehört für mich auch eine professionell ausgestattete Werkstatt mit eigenem Werkzeug, Material und Arbeitsplatz für die Schüler:innen. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist für mich die Fachabschlussprüfung. Dabei zeigen unsere Schüler:innen am Ende des Schuljahres, was sie in ihrem Fachbereich gelernt haben – sowohl theoretisch als auch praktisch. Besonders wertvoll ist dabei die Einbindung der Wirtschaft. Wenn Leistungen auch von Fachleuten aus der Privatwirtschaft beurteilt werden, erhalten die Schüler:innen eine direkte Rückmeldung aus jener Arbeitswelt, auf die wir sie vorbereiten. Kooperationen mit Unternehmen und Lehrwerkstätten sind deshalb für mich ein wichtiger Bestandteil einer modernen PTS.
Kurz gesagt: Eine gute Polytechnische Schule bereitet Jugendliche nicht nur auf eine Lehrstelle vor. Sie gibt ihnen die Möglichkeit, herauszufinden, was zu ihnen passt, praktische und fachliche Kompetenzen aufzubauen und gleichzeitig selbstständig, verantwortungsbewusst und selbstbewusst zu werden. Genau diese Kombination aus Berufsorientierung, Praxis und Persönlichkeitsentwicklung macht für mich die Qualität einer PTS aus.
Was bedeutet es für Sie persönlich, Direktor dieser Schule zu sein?
Eine Polytechnische Schule ist für mich eine wichtige Schnittstelle zwischen Schule und Wirtschaft. Von einer guten Ausbildung profitieren nicht nur die Jugendlichen selbst, sondern auch jene Betriebe, in denen sie später ihre Lehre beginnen und ihren beruflichen Weg fortsetzen. Mit gutem Unterricht allein ist es deshalb nicht getan. Es geht darum, Chancen zu erkennen, neue Möglichkeiten auszuloten und gemeinsam mit meinem Team auch den Mut zu haben, diese umzusetzen. Wir leben in einer Zeit, in der sich für Schulen und Jugendliche viele neue Möglichkeiten eröffnen. Diese Möglichkeiten zu erkennen, aufzugreifen und daraus konkrete Chancen für unsere Schüler:innen zu schaffen, sehe ich als eine meiner wichtigsten Aufgaben.
Warum sollte sich ein 14-jähriger Bursch oder ein 14-jähriges Mädchen für eine Polytechnische Schule Krems entscheiden?
Es gibt aus meiner Sicht fünf besonders wichtige Argumente: Erstens: Eigenständige Fachbereiche. Wir bieten sieben Fachbereiche an: Bau; Holz; Metall; Elektrotechnik; Gesundheit, Schönheit & Soziales; Tourismus sowie Handel & Büro. Jugendliche sollen die Möglichkeit haben, in jenem Fachbereich zu lernen, der zu ihren Interessen, Stärken und beruflichen Vorstellungen passt. Zweitens: Stärken und Schwächen entdecken. Die PTS bietet ein Jahr Zeit, verschiedene Bereiche kennenzulernen, Dinge auszuprobieren und herauszufinden, was einem liegt und wo man sich noch weiterentwickeln kann. Wir wissen, wie wichtig dieser Prozess für die spätere Berufswahl ist. Drittens: Die Chancen auf eine Lehrstelle. Gute und engagierte Jugendliche haben heute hervorragende Möglichkeiten, eine passende Lehrstelle zu finden. Wer sich im Fachbereich einbringt, bei Schnuppertagen überzeugt und am Ende des Jahres mit einem guten Zeugnis und einem Fachabschlusszertifikat bei einem Betrieb vorstellig wird, hat sehr gute Karten. Viertens: Das Feedback unserer ehemaligen Schüler:innen. Wer wissen möchte, was die PTS Krems tatsächlich bewirkt, sollte mit Jugendlichen sprechen, die sie bereits absolviert haben. Einer meiner Kollegen war beispielsweise kürzlich auf einem Feuerwehrfest und konnte kaum sein Schnitzel essen, weil ihm beinahe im Fünf-Minuten-Takt ehemalige Schüler:innen die Hand schüttelten und sich für die schöne Zeit an der PTS bedankten. Und fünftens: Der Vorsprung in der Lehre. Wer beispielsweise eine Lehre als Elektriker:in oder als Maurer:in beginnt und zuvor den entsprechenden Fachbereich an der PTS besucht hat, bringt bereits praktische Erfahrung und fachliches Grundwissen mit. Neun Wochenstunden im eigenen Fachbereich über ein ganzes Schuljahr hinterlassen zwangsläufig einen Vorsprung – sowohl im Lehrbetrieb als auch später in der Berufsschule.
Am Ende geht es für mich aber um mehr als nur um eine Lehrstelle. Es geht darum, dass Jugendliche die PTS mit einer klareren Vorstellung von ihrer Zukunft, praktischen Fähigkeiten, Selbstvertrauen und einem echten Vorsprung für ihren weiteren Weg verlassen.
Übrigens: Wer sich selbst ein Bild von der PTS Krems machen möchte, ist jederzeit herzlich willkommen! Beim Tag der offenen Tür am 6. November oder bei einem persönlichen Termin kann man unsere Fachbereiche, Werkstätten und unser Team kennenlernen. Termine können unter 02732/801-2000 vereinbart werden.