Beide Beschlüsse gehen insbesondere auf ein gemeinsames Arbeitsgespräch zurück, zu dem Bürgermeister Peter Molnar im Juni 2026 Vertreter:innen der ÖBB, der Polizei, der Sozialarbeit, der Stadtpolitik und der zuständigen Magistrats-abteilungen eingeladen hatte. Ausgangspunkt für diese Initiative waren wiederholte Beschwerden über Alkoholkonsum einzelner Personengruppen am Bahnhofplatz sowie Verschmutzungen durch Tauben und Dohlen. Um nachhaltige und ausgewogene Lösungen zu erarbeiten, setzte die Stadt Krems von Beginn an auf einen breiten Dialog mit allen betroffenen Stellen. Mit den nun gefassten einstimmigen Gemeinderatsbeschlüssen werden zwei wesentliche Ziel dieses Maßnahmenpakets rechtlich verankert.
Klare Regeln für ein gutes Miteinander
„Der Bahnhofplatz ist eine wichtige Visitenkarte unserer Stadt und täglich ein zentraler Ankunfts- und Begegnungsort für viele Menschen. Unser Ziel ist es, dass sich Reisende, Anrainer:innen, Schüler:innen und Besucher:innen hier gleichermaßen wohl und sicher fühlen. Deshalb war es mir besonders wichtig, von Anfang an alle Beteiligten an einen Tisch zu holen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln. Mit den beiden Gemeinderatsbeschlüssen setzen wir nun weitere konkrete Schritte. Dabei geht es nicht darum, Menschen auszugrenzen, sondern um klare Regeln, gegenseitige Rücksichtnahme und ein gutes Miteinander im öffentlichen Raum“, betont Bürgermeister Peter Molnar. Auch Sicherheitsstadtrat Christoph Hofbauer begrüßt die Maßnahmen am Bahnhofplatz und erklärt: „Wichtig ist mir, dass das Alkoholverbot Hand in Hand mit der Betreuung durch die Sozialarbeiter:innen des Vereins Impulse geht. Denn wir wollen das Problem lösen und nicht einfach an einen anderen Ort verlagern.“ Magistrat-Bereichsleiter Hannes Zimmermann ergänzt: „Es handelt sich hierbei um eine ortspolizeiliche Verordnung, die regelmäßig beobachtet und evaluiert wird. Polizei und ÖBB unterstützen das Alkoholverbot mit Kontrollen im unmittelbaren betroffenen Bereich.“
Alkoholverbot für Bahnhofsplatz und Wertheimpark
Mit dem nun beschlossenen Alkoholverbot reagiert die Stadt Krems auf die wiederholt aufgezeigten Probleme im Umfeld des Bahnhofs. Bereits beim Arbeitsgespräch im Juni wurde vereinbart, die rechtlichen Voraussetzungen für eine entsprechende Verbotszone zu prüfen. Nach Durchführung des erforderlichen Ermittlungsverfahrens hat der Gemeinderat nun die entsprechende Verordnung beschlossen. Somit gilt ab 1. Dezember 2026 ein Alkoholverbot für den Bereich Bahnhofplatz, Scheidtenbergerstraße, Wertheimstraße und Wertheimpark.
Taubenfütterungsverbot ergänzt tierschutzgerechtes Konzept
Auch das vom Gemeinderat beschlossene Taubenfütterungsverbot sowie das Ausstreuverbot von Futter sind Teil der gemeinsam erarbeiteten Strategie. Beides soll verhindern, dass sich durch unkontrollierte Fütterung dauerhaft große Taubenansammlungen an öffentlichen Plätzen bilden oder durch ausgestreutes Futter Ratten angelockt werden. Grundlage dafür ist ein fachliches Gutachten von Amtstierarzt Thorben Rahlves. Darin wird festgehalten, dass regelmäßige Fütterungen und hohe Taubendichten sowohl die Tiergesundheit beeinträchtigen als auch hygienische und potenzielle gesundheitliche Belastungen für die Bevölkerung verursachen können. Dieses Verbot tritt ebenfalls mit 1. Dezember 2026 in Kraft und gilt für folgende Bereiche:
- Plätze: Bahnhofplatz, Dreifaltigkeitsplatz, Hafnerplatz, Pfarrplatz
- Straßen: Fußgängerzone Altstadt Krems und den an das Parkdeck OST unmittelbar angrenzenden Gehsteigbereich
- Parkanlagen: Eyblpark, Stadtpark und Wertheimpark
- Donaubereich: zwischen Mauterner Brücke und Sankt Pöltener Brücke sowie zwischen B 3 und Donau
Neuer Taubenschlag verbindet Sauberkeit und Tierschutz
Gleichzeitig setzt die Stadt Krems bewusst auf eine tierschutzgerechte Lösung. Im Dachgeschoß des städtischen Parkdecks OST am östlichen Beginn der Ringstraße entsteht bis Ende Oktober ein rund 25 Quadratmeter großer, betreuter Taubenschlag. Dort finden die Tiere einen geschützten Rückzugsort, wo sie regelmäßig gefüttert und betreut werden. Durch den gezielten Austausch gelegter Eier gegen Gipsattrappen soll die derzeit auf rund 600 Tiere geschätzte Taubenpopulation langfristig und schonend reguliert werden. Die Betreuung übernimmt der Verein Stadttaubenhilfe Krems unter der Leitung seiner Obfrau und Projektinitiatorin Sarah Weninger. Die fachliche Begleitung erfolgt durch Amtstierarzt Thorben Rahlves.
„Win-win-Situation für Mensch und Tier“
„Tierschutz bedeutet nicht, Tauben wahllos zu füttern, sondern Verantwortung für ihre Gesundheit und ihren Lebensraum zu übernehmen. Genau deshalb ist das nun beschlossene Fütterungsverbot ein entscheidender Bestandteil unseres neuen Stadttaubenmanagements. Wir verhindern damit unkontrollierte Fütterungen auf öffentlichen Plätzen und sorgen gleichzeitig dafür, dass die Tiere im betreuten Taubenschlag artgerecht versorgt werden. Durch die gezielte Fütterung und den kontrollierten Austausch der Gelege soll die Taubenpopulation langfristig reduziert werden. Weniger Tauben bedeuten in weiterer Folge weniger Verschmutzung, weniger Schäden an Gebäuden und mehr Lebensqualität für die Bevölkerung. Damit schaffen wir eine echte Win-win-Situation für Mensch und Tier“, betont der auch für Tierschutz zuständige Stadtrat Christoph Hofbauer. „Mein besonderer Dank gilt Sarah Weninger, die dieses Projekt mit außergewöhnlichem persönlichem Engagement und Fachwissen vorangetrieben hat und mit ihrem Verein Stadttaubenhilfe Krems die Betreuung übernehmen wird. Ebenso danke ich den zuständigen Mitarbeiter:innen des Magistrats und dem Veterinäramt für die hervorragende Zusammenarbeit und die große Lösungsbereitschaft“, so Hofbauer.
Weitere Maßnahmen bereits umgesetzt
Neben den beiden Verordnungen wurden beim Arbeitsgespräch im Juni weitere Schritte vereinbart, die mittlerweile umgesetzt wurden beziehungsweise bereits angelaufen sind. So wurde die Zusammenarbeit zwischen Polizei und ÖBB-Security intensiviert, um insbesondere den Eingangsbereich des Bahnhofs frei und gut zugänglich zu halten. Gleichzeitig verstärken die Streetworker des Vereins Impulse Krems ihre Präsenz vor Ort, um mit betroffenen Personengruppen in Kontakt zu bleiben und bei Bedarf sozialarbeiterische Unterstützung anzubieten. Auch bei der Sauberkeit wurden zusätzliche Maßnahmen gesetzt: Der städtische Wirtschaftshof reinigt den Bahnhofplatz mehrmals wöchentlich mit einer Kehrmaschine.
Gesamtkonzept statt Einzelmaßnahmen
Bürgermeister Peter Molnar unterstreicht abschließend die Bedeutung der gemeinsamen und strategischen Vorgehensweise: „Wir haben von Anfang an auf ein Gesamtkonzept statt auf Einzelmaßnahmen gesetzt. Mein Dank gilt allen Beteiligten, die sich konstruktiv eingebracht haben. Mit klaren Regeln, verstärkter Betreuung, regelmäßiger Reinigung und einem nachhaltigen Taubenmanagement schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass der Bahnhofplatz seiner Funktion als wichtiger und sicherer öffentlicher Raum gerecht wird.“