Bereits seit dem 19. Jahrhundert arbeiteten Frauen aus unterschiedlichen Teilen der Monarchie in der 1850 gegründeten „Cigarren-Fabrik“ in Stein. Der Arbeitsalltag war zunächst von langen Arbeitszeiten, niedrigen Löhnen und einer unzureichenden Gesundheitsversorgung geprägt. Obwohl Frauen den Großteil der Belegschaft stellten, waren die leitenden Positionen Männern vorbehalten. Im Laufe der Jahrzehnte erkämpften sich die Arbeiterinnen Verbesserungen ihrer Arbeitsbedingungen und soziale Leistungen. Mit der Übersiedlung in die neue Tabakfabrik auf dem Gelände des heutigen Campus Krems in den 1920er-Jahren entwickelte sich der Betrieb zunehmend zu einem sozialen Musterbetrieb. Gute Entlohnung und Pensionen sowie Einrichtungen wie Betriebskindergarten, Hort, Kantine und Badeanstalt verbesserten die Lebensbedingungen der Beschäftigten. Das eigene Einkommen eröffnete vielen Frauen zudem neue Möglichkeiten der Selbstbestimmung und finanziellen Unabhängigkeit.
Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven
Mit der Geschichte der Frauen in der Tabakfabrik haben sich sowohl Wissenschaft als auch Kunst intensiv auseinandergesetzt. Die Historikerin Edith Blaschitz, Leiterin des Stabsbereichs „Digital Memory Studies“ an der Universität für Weiterbildung Krems, erforschte die Lebens- und Arbeitswelten der Beschäftigten. Die Künstlerin Anne Glassner wiederum beschäftigt sich im Rahmen einer Ausstellung (zu sehen ab 2. Oktober in der galeriekrems) mit den Arbeiterinnen und ihren Geschichten. Beim Diskussionsformat „Im Dialog“ des Online-Magazins ask – art & science krems treffen unterschiedliche Zugänge aufeinander. Gemeinsam mit der Wissenschaftsjournalistin Astrid Kuffner und der Kunstkritikerin Nina Schedlmayer sprechen Edith Blaschitz und Anne Glassner darüber, welche Bedeutung die Tabakfabrik für die Emanzipation von Frauen hatte und wie ihre Geschichte heute aus wissenschaftlicher und künstlerischer Perspektive erzählt werden kann.
Im Dialog | Die Tabakfabrik als Ort der Emanzipation
Montag, 28. September, 11 Uhr
museumkrems, Körnermarkt 14
Eintritt frei!
Anmeldung: kulturamt@krems.gv.at