Mit Robert Rauschenberg. Image and Gesture präsentiert die Kunsthalle Krems erstmals eine große retrospektive Ausstellung zu Robert Rauschenberg (1925–2008) in Österreich. Die Schau ist Teil des internationalen Ausstellungsreigens zum 100. Geburtstag des US-amerikanischen Künstlers und letzte Station in Europa. Rund 50 Werke zeichnen Rauschenbergs bahnbrechende Auseinandersetzung mit Bild, Geste und Material nach und würdigen eine der prägendsten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts.
Florian Steininger, künstlerischer Direktor der Kunsthalle Krems: „Die Kunsthalle Krems präsentiert die erste museale Robert-Rauschenberg-Retrospektive in Österreich. Im Rahmen seines 100. Geburtstages wurde Rauschenberg ein weltweites Ausstellungsprogramm mit Stationen in Houston, New York, Hongkong, Madrid, München und Köln gewidmet, mit Krems als letztem Ort in Europa. Das ist ein starkes Signal für die Qualität und das internationale Vertrauen in die Kunsthalle Krems als bedeutenden Kunststandort. Mit Rauschenberg setzen wir auf eine der tragenden Figuren der modernen und zeitgenössischen Kunst – einen Pionier und eine vielseitige Künstlerpersönlichkeit der Pop-Art.“
Christopher Rauschenberg, Sohn von Robert Rauschenberg: „Dass die Kunsthalle Krems diese Ausstellung realisiert, bedeutet mir sehr viel. Sie vermittelt nicht nur die enorme Bandbreite von Robert Rauschenbergs Arbeit, sondern auch seine Neugier und seinen künstlerischen Mut. Als Ort von Qualität, kuratorischer Präzision und internationalem Renommee spiegelt die Kunsthalle Krems den offenen, dialogischen Geist wider, der das Schaffen meines Vaters geprägt hat.“
Zwischen Pop‑Art und Abstraktem Expressionismus
Im Zentrum der Ausstellung steht Rauschenbergs charakteristische Verbindung von fotografischen Motiven und expressiver malerischer Geste. Bereits in den 1950er‑Jahren sprengte er mit seinen legendären Combines die Grenzen traditioneller Kunstformen, indem er Malerei, Fotografie und Alltagsmaterialien in komplexen Bildräumen miteinander verband. Mit den Transfer Drawings und den Silkscreen Paintings der frühen 1960er‑Jahre entwickelte er eine Bildsprache, die Abstrakten Expressionismus und Pop‑Art auf radikale Weise miteinander verschränkte.
Rauschenbergs Werke dieser Zeit thematisieren den medialen Bilderfluss der Nachkriegsmoderne und stellen die Grenze zwischen Kunst und Lebenswelt bewusst infrage. Die in Krems gezeigte Arbeit Tree Frog steht für einen kunsthistorischen Wendepunkt: Mit ihr gewann Rauschenberg 1964 den Großen Preis für Malerei bei der Biennale von Venedig – ein bis heute diskutiertes Ereignis, das eine internationale Debatte über amerikanische Kunst anstieß und Rauschenberg international zur Schlüsselfigur der US‑amerikanischen Gegenwartskunst machte.
Kunst als Handlung, Dialog und Performance
Rauschenbergs Arbeit beschränkte sich nicht auf das Tafelbild. Die Ausstellung beleuchtet auch seine interdisziplinären Projekte an der Schnittstelle von Kunst, Performance, Musik und Bühne. In Zusammenarbeit mit John Cage und Merce Cunningham öffnete Rauschenberg die bildende Kunst für Bewegung, Klang und technologische Experimente und verstand Kunst als prozesshaftes, performatives Ereignis.
Ein weiterer Fokus gilt dem internationalen Projekt ROCI – Rauschenberg Overseas Culture Interchange (1984–1991), mit dem der Künstler in elf Ländern gezielt kulturellen Austausch initiierte. Rauschenberg reiste in politisch und gesellschaftlich komplexe Regionen, entwickelte ortsspezifische Arbeiten und setzte Kunst als Mittel des Dialogs jenseits institutioneller und ideologischer Grenzen ein.
Material, Metall und Spätwerk
Auch Rauschenbergs spätere Werkphasen sind in Krems präsent. Ab den 1980er‑Jahren rückte die Materialität der Bildträger stärker in den Vordergrund. In Serien auf Metall – insbesondere auf Kupfer, Messing und Bronze – untersuchte er das Zusammenspiel von Bild, Oberfläche und Licht. In seinem Spätwerk wandte sich Rauschenberg zunehmend digitalen Bildprozessen zu und entwickelte eine verdichtete, vielschichtige Bildsprache, die sein lebenslanges Interesse an Innovation und Wandel widerspiegelt.
ROBERT RAUSCHENBERG
IMAGE AND GESTURE
25.04. – 01.11.2026