Empfangen wurden die Gäste – darunter IKG-Vizepräsidentin Claudia Prutscher, Generalsekretär Benjamin Nägele sowie Thomas Zäuner, Leiter der Immobilienabteilung – von Bürgermeister Peter Molnar im Rathaus Krems. Zuvor stand ein Besuch der Zeitgeschichte-Werkstatt im museumkrems auf dem Programm.
„Der jüdische Friedhof in Krems ist ein sichtbares Zeugnis unserer Geschichte und unserer Verantwortung. Es ist unsere Aufgabe, diesen Ort würdig zu erhalten und für kommende Generationen zugänglich zu machen“, betont Bürgermeister Peter Molnar.
Der jüdische Friedhof in Krems ist nicht nur ein Ort des Gedenkens, sondern auch ein historisches Dokument der jüdischen Gemeinde der Region. Der Historiker Robert Streibel, der sich seit Jahrzehnten intensiv mit der Kremser Zeitgeschichte und dem Nationalsozialismus auseinandersetzt, erläuterte vor Ort zentrale Aspekte der Geschichte: So wurden etwa die Überreste eines bereits 1936 geschlossenen und mehrfach geschändeten Friedhofs hierher überführt. Zudem erinnert ein 1995 errichtetes Denkmal des Künstlers Hans Kupelwieser an die jüdischen Bürger:innen von Krems, die 1938 hier lebten – ihre Namen sind dort verewigt.
Der Friedhof selbst weist einige Besonderheiten auf, etwa Grabstätten mit Fotografien – im jüdischen Kontext eine Seltenheit – sowie historische Zeugnisse, die bis in die Zeit des 19. Jahrhunderts zurückreichen und auch von antisemitischen Zuschreibungen jener Zeit erzählen. Insgesamt sind hier rund 177 Personen bestattet, das letzte Begräbnis fand 1972 statt.
„Gerade solche Orte machen Geschichte greifbar. Es ist wichtig, dass wir sie nicht nur bewahren, sondern auch zugänglich machen und in die Gegenwart holen“, unterstreicht Kulturgemeinderätin Elisabeth Kreuzhuber.
Die geplante Sanierung soll den Friedhof langfristig sichern. Erste Vorarbeiten sind noch für dieses Jahr vorgesehen, die eigentlichen Sanierungsmaßnahmen sind für 2027 geplant. Diese werden finanziell von Bund und Land NÖ unterstützt. Die Stadt Krems wird weiterhin für die laufende Instandhaltung zuständig sein – dazu zählen Pflegearbeiten wie Mähen, Rückschnitt sowie die Erhaltung von Wegen und Einfriedungen. Eine entsprechende Vereinbarung ist in Vorbereitung.
„Der jüdische Friedhof Krems ist ein Ort des Erinnerns und Gedenkens, genauso aber auch ein besonderes kulturelles Erbe. Seine Erhaltung und Pflege steht für einen respekt- und verantwortungsvollen Umgang mit Geschichte“, sagt Doris Denk, Bereichsleiterin für Bildung, Kultur und Tourismus.
Im Zuge der geplanten Maßnahmen wird insbesondere die Sicherung der Friedhofsmauer sowie einzelner Grabsteine im Fokus stehen. Auch Fragen der zukünftigen Zugänglichkeit – etwa durch geregelte Öffnungssysteme – wurden diskutiert.
„Die Sanierung und Instandhaltung des jüdischen Friedhofs in Krems wird ein weiterer wichtiger Schritt im aktiven Umgang mit Zeitgeschichte und Erinnerungskultur in Krems sein. Viele Interessierte möchten den Friedhof besuchen“, so Kulturamtsleiter Gregor Kremser.
Für die Instandsetzung jüdischer Friedhöfe in Österreich wurde bereits 2010 ein eigener Fonds beim Nationalrat eingerichtet, aus dem auch dieses Projekt unterstützt werden kann. Das Bundesdenkmalamt begleitet die geplanten Sanierungsmaßnahmen.
Der Besuch der IKG unterstreicht die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Stadt, Kultusgemeinde, Bund, Land NÖ und Bundesdenkmalamt. Ziel ist es, den jüdischen Friedhof in Krems als würdevollen Ort des Gedenkens zu erhalten und zugleich als wichtigen Bestandteil der regionalen Erinnerungskultur sichtbar zu machen.