Geboren in Herzogenburg, absolvierte Pöll das BORG Krems, studierte Konzertfach Schlagzeug und wurde AHS-Lehrer für Musikerziehung, Geschichte und Physik. Musik begleitet ihn seit seinem gesamten Leben. Neben Schlagzeug spielt er Klavier, Querflöte und seit zwei Jahren auch Traversflöte, den historischen Vorläufer der modernen Querflöte. Persönlich schätzt er besonders die Musik der 1960er- und 1970er-Jahre sowie die Klänge der Renaissance.
Auch als Direktor blieb er stets Lehrer aus Leidenschaft und unterrichtet bis zuletzt Schlagzeug an der Musikschule. „Ich wollte immer Lehrer werden. Denn ich war immer neugierig – und was ich wusste, wollte ich weitergeben“, sagt Pöll. Menschen aller Altersgruppen – vom Kleinkindalter bis ins hohe Erwachsenenalter – nehmen Unterricht in der Musikschule Krems. Aktuell sorgen 33 Lehrkräfte dafür, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene ihre musikalischen Talente entfalten können.
Einen wesentlichen Erfolgsfaktor sieht Pöll in den zahlreichen Kooperationen mit Schulen und Kindergärten. „Der Kontakt zur Musikschule entsteht dadurch schon sehr früh. Viele Kinder bleiben dann dabei.“ Gleichzeitig sei die hohe Qualität des Unterrichts entscheidend: „Wir haben viele hervorragende Musikerinnen und Musiker im Lehrerteam.“
Zu den Meilensteinen seiner Amtszeit zählt die Übersiedlung der Musikschule in ihr heutiges Gebäude im Jahr 2008. „Die Musikschule hat hier ein würdiges Zuhause gefunden“, sagt Pöll. In Erinnerung bleiben ihm außerdem zahlreiche besondere Projekte und Veranstaltungen, darunter die Feier zum 50-jährigen Bestehen in der Dominikanerkirche, Auftritte im Festspielhaus St. Pölten oder das Projekt „Kunsträume“, bei dem die Musikschule bewusst neue Orte für musikalische Begegnungen erschloss.
Herr Pöll, wie fühlt sich der bevorstehende Abschied nach mehr als zwei Jahrzehnten an der Spitze der Musikschule an?
Es war eine schöne Zeit, die nun zu Ende geht, und gleichzeitig beginnt für mich etwas Neues. Besonders freut mich, dass mit Maria Dorn eine neue Leiterin kommt, die die Musikschule in meinem Sinne weiterführen wird. Deshalb weiß ich, dass es gut weitergehen wird.
Wenn Sie auf Ihre Zeit als Direktor zurückblicken – worauf sind Sie besonders stolz?
Die Musikschule ist für mich wie ein eigens Kind. Besonders prägend war die Übersiedlung 2008 in unser heutiges Gebäude. Auch viele Kooperationen, etwa mit dem BORG, haben sich hervorragend entwickelt. Und natürlich bin ich stolz auf die Erfolge unserer Schülerinnen und Schüler. Unsere Lehrkräfte leisten großartige Arbeit und holen enorme Leistungen aus ihnen heraus.
Wie hat sich die Musikschule in Ihrer Amtszeit verändert?
Als ich begonnen habe, hatten wir rund 600 Schülerinnen und Schüler, heute sind es etwa 900. Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung. Ich führe das vor allem auf die gute Zusammenarbeit mit Schulen und Kindergärten zurück. Gleichzeitig haben wir stets darauf geachtet, neue Wege zu gehen und uns weiterzuentwickeln. Mein Antrieb war immer, über den Tellerrand hinauszuschauen und offen für Neues zu bleiben.
Welche Veränderungen beobachten Sie bei Kindern und Jugendlichen?
Seit Corona hat die Verbindlichkeit deutlich nachgelassen. Termine werden oft kurzfristig abgesagt. Gleichzeitig erlebe ich Kinder heute häufig in zwei Extremen: Entweder sie sind sehr interessiert oder schnell gelangweilt. Es ist eine große Herausforderung geworden, den richtigen Zugang zu ihnen zu finden.
Was bedeutet Musik für Sie persönlich?
Musik ist ein Geben und Nehmen. Sie gibt einem unglaublich viel, aber man muss auch Zeit, Energie und Bereitschaft investieren.
Sie engagieren sich auch außerhalb der Musikschule für Menschen.
Ja, ich bin ausgebildeter Lebens-, Trauer- und Sterbebegleiter und habe bis vor Kurzem ehrenamtlich in der Demenzbetreuung gearbeitet. Auch dort spielt Musik eine wichtige Rolle und kann viel bewirken.
Wie werden Sie Ihren Ruhestand verbringen?
Ich freue mich auf mehr Zeit für meine Familie und meine zahlreichen Hobbys: Bogenschießen, Schwertkampf, Gartenarbeit und Holztischlerei. Und natürlich werde ich weiterhin in einem Ensemble mitspielen, das sich der Alten Musik widmet.