Der Kremser Bildungstag ist eine gemeinsame Initiative der Stadt Krems, der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Niederösterreich (KPH) und der Arbeiterkammer Niederösterreich (AK NÖ). Ziel der Veranstaltung ist es, aktuelle Herausforderungen im Bildungsbereich aufzugreifen und den fachlichen Austausch zu fördern. „Wir wollen mit dem Bildungstag einen Raum schaffen, in dem wir offen Themen ansprechen und diskutieren können – Themen, die unsere Schulen und Kindergärten und damit auch unsere Gesellschaft beschäftigen und manchmal auch fordern“, betonte die Kremser Bereichsleiterin für Bildung, Kultur und Tourismus, Doris Denk. Heuer drehte sich alles um das Thema Kulturelle Bildung, denn „das Recht auf kulturelle Teilhabe ist ein Menschenrecht“, betonte Denk.
Kulturelle Bildung aus unterschiedlichen Perspektiven
In der ersten Gesprächsrunde beleuchteten Kulturgemeinderätin Elisabeth Kreuzhuber, KPH-Vizerektor Thomas Plotz und AK NÖ-Vizepräsidentin Angela Fischer das Thema Kulturelle Bildung aus verschiedenen Blickwinkeln. Kreuzhuber hob die zentrale Rolle von Kunst und Kultur hervor: „Kultur macht uns als Mensch aus. Junge Menschen brauchen Kunst und Kultur – und umgekehrt.“ Thomas Plotz betonte, dass kulturelle Bildung bereits im Kindergarten beginne und daher fest in der Ausbildung zukünftiger Lehrkräfte an der KPH verankert sei. Angela Fischer unterstrich die gesellschaftliche Bedeutung: „Kinder lernen durch kulturelle Bildung Empathie und einen respektvollen Umgang mit anderen Meinungen.“ Die Arbeiterkammer unterstütze dies unter anderem mit dem AK Young Jugendtheater, vergünstigten Kulturangeboten und einer digitalen Bibliothek.
Soziale Ungleichheit im Bildungssystem
Für inhaltliche Impulse sorgte Bildungssoziologe Michael Holzmayer von der KPH Wien/Niederösterreich mit seiner Keynote zur sozialen Herkunft als „blindem Fleck“ im Bildungssystem. Dabei stellte er klar, dass Bildungserfolg in Österreich nach wie vor stark vom Elternhaus abhängt. Während Kinder aus privilegierten Familien häufig mit Büchern aufwachsen und früh Zugang zu kulturellen Angeboten erhalten, bleiben solche Erfahrungen vielen Kindern aus benachteiligten Haushalten oft verwehrt. Zudem orientiere sich das Bildungssystem vielfach an den Lebensrealitäten der Mittelschicht – jene Kinder, die den „Habitus“ ihrer Schule bereits von zu Hause kennen, hätten dadurch klare Vorteile. Die Rolle der Pädagog:innen sieht Holzmayer differenziert: Strukturelle Ungleichheiten könnten sie nicht vollständig ausgleichen, da der Einfluss des Elternhauses hier sehr groß sei. Dennoch könnten engagierte Lehrkräfte bei einzelnen Kindern sehr wohl einen Unterschied machen und viel bewirken. „Die Schule ist der einzige gesellschaftliche Bereich, in dem wir soziale Ungerechtigkeit zumindest teilweise aufheben können“, betonte Holzmayer. Umso wichtiger sei ein niederschwelliger Zugang zu kulturellen Angeboten für alle Kinder.
Neue Plattform Kultur Cosmos Krems vorgestellt
Ein Highlight der Veranstaltung war die Präsentation der Kulturvermittlungsplattform Kultur Cosmos Krems. Die von Kommunikationsexpertin Pamela Schmatz (Agentur Friedl & Partner) entwickelte Plattform bietet erstmals einen umfassenden Überblick über das kulturelle Angebot für Kinder und Jugendliche in Krems und der Wachau. Das digitale Service richtet sich insbesondere an Pädagog:innen und erleichtert die Suche nach passenden Programmen für Schulklassen und Kindergartengruppen. Zum Start umfasst die Plattform rund 60 Programme für Kinder und Jugendliche im Alter von zwei bis 19 Jahren. Die Angebote sind nach verschiedenen Kriterien filterbar und oftmals flexibel nutzbar. Das Projekt wurde gemeinsam mit der LEADER-Region Wachau-Dunkelsteinerwald umgesetzt und basiert auf einer umfassenden Bedarfserhebung unter Kremser Pädagog:innen. Zu finden ist die neue Plattform unter www.kulturcosmos-krems.at.
Breites Engagement für kulturelle Bildung
In weiteren Beiträgen wurde die Vielfalt kultureller Bildung betont. Kulturamtsleiter und Pädagoge Gregor Kremser plädierte dafür, den Begriff weiter zu fassen: Kulturelle Bildung wirke in vielen Bereichen – weit über klassische Kreativfächer hinaus. Musikwissenschaftlerin Eva Maria Stöckler (Universität für Weiterbildung Krems) verwies auf die besondere Bedeutung von Musik: „Ein großer Teil der Sozialisation von Jugendlichen erfolgt über Musik. Sie ist daher ein wichtiger Hebel für alle, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.“ Bildungsamtsleiter Georg Braunschweig hob die zahlreichen Unterstützungsangebote der Stadt hervor – von der kostenlosen „Klassenkarte“ und der Bücherschatzkiste in der Stadtbücherei über freien Eintritt und spezielle Vermittlungsangebote im museumkrems bis hin zum wöchentlichen kostenlosen Unterricht von Musikschullehrkräften in öffentlichen Kindergärten und Volksschulen. Auch seitens der Bildungsdirektion Niederösterreich gab es positive Rückmeldungen: Schulqualitätsmanagerin Andrea Strohmayer zeigte sich vom „Kultur Cosmos Krems“ begeistert und betonte die hohe Qualität der Bildungsberatung in den Volksschulen.