In ihrer Gedenkbotschaft betonte Vizebürgermeisterin Eva Hollerer die Bedeutung des Erinnerns für die Gegenwart und die Zukunft. „Das Massaker von Stein und die Kremser Hasenjagd gehören zu den dunkelsten Kapiteln unserer Stadtgeschichte“, hielt sie fest und verwies auf die grausamen Ereignisse im April 1945, bei denen hunderte Häftlinge ermordet wurden. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass historisches Wissen nicht selbstverständlich sei: „Selbst in gebildeten Kreisen ist diese Begrifflichkeit ‚Hasenjagd‘ heute keine Selbstverständlichkeit mehr.“ Daraus leitete sie die Verantwortung ab, Gedenkveranstaltungen konsequent weiterzuführen und aktiv für demokratische Werte einzustehen. Mit Blick auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen mahnte Hollerer: „Wir alle haben es in der Hand, für unsere liberale Demokratie, für unsere Werte, für Frieden und Sicherheit einzustehen.“
Kulturgemeinderätin Elisabeth Kreuzhuber hob in ihrer Begrüßung die besondere Verantwortung der Stadt Krems hervor, die Erinnerung wachzuhalten und sichtbar zu machen: „In der Geschäftigkeit des Alltags lassen sich diese schrecklichen Tatsachen leicht verdrängen.“ Umso wichtiger sei es, das Gedenken bewusst und regelmäßig zu begehen. Sie erinnerte auch an die Entwicklung der Gedenkkultur in Krems und betonte: „Unsere Überzeugung, dass Anstand und Menschlichkeit politisches Handeln prägen sollen, gebietet, dass wir hier gedenken – und dass wir das auch in Zukunft tun werden.“ Gleichzeitig würdigte sie die Zusammenarbeit mit Opferverbänden sowie die internationale Beteiligung als wichtiges Zeichen des gemeinsamen Erinnerns.
Winfried Garscha, Sprecher der ARGE der NS-Opferverbände, stellte in seinen Worten die Dimension des Verbrechens in den historischen Kontext. „Wir gedenken heute der mehr als 400 bis möglicherweise 500 getöteten Häftlinge, die bereits am Weg in die Freiheit waren“, erklärte er und erinnerte damit an die besondere Brutalität der letzten Kriegstage. Zugleich machte er deutlich, dass die Ereignisse von Stein Teil einer breiteren Gewaltwelle waren, die sich in den letzten Tagen des NS-Regimes zuspitzte. Stein nehme dabei eine besondere Stellung ein: „Es war das größte Massenverbrechen auf österreichischem Boden während der NS-Zeit.“ Garscha betonte, dass Erinnerung mehr bedeute als Rückblick: „Die Erinnerung wachzuhalten liegt in unserer Hand – und verpflichtet uns gleichzeitig, die Ursachen und Verantwortlichkeiten kritisch zu hinterfragen.“
Christine Steger, Bundesvorsitzende des KZ-Verbandes, richtete den Fokus auf die Opfergeschichten und den Umgang mit ihnen nach 1945. Am Beispiel eines Überlebenden zeigte sie eindrücklich, wie eng Erinnerung und Anerkennung miteinander verbunden sind. „Gedenken bedeutet Verantwortung“, betonte sie und führte aus, dass viele Opfer nach dem Krieg lange Zeit nicht die ihnen gebührende Würdigung erfahren hätten. Sie kritisierte strukturelle Versäumnisse im Umgang mit den Opfern und machte deutlich: „Die Opfer wurden nach 1945 viel zu oft ein zweites Mal zu Opfern gemacht – durch Vergessen, durch Ignoranz, durch fehlende Anerkennung.“ Daraus leitete sie einen klaren Auftrag für die Gegenwart ab: „Die Verantwortung besteht darin, die historische Wahrheit auszusprechen und jeder Form von Entmenschlichung entgegenzutreten – damals wie heute.“
Abschließend verwies Historiker Karl Reder auf die tiefere historische Einordnung der Ereignisse: „Wenn wir heute der Opfer gedenken, dürfen wir nicht vergessen, dass ihr Leid nicht erst im April 1945 begann. Strukturelle Gewalt war im NS-Justizvollzug bereits zuvor Teil des Systems – geprägt von unmenschlichen Haftbedingungen, Mangelernährung, Zwangsarbeit und systematischer Entwürdigung. Bestimmte Häftlingsgruppen überstellte man willkürlich aus Stein direkt in die Konzentrationslager der SS, wo viele ermordet wurden. Umso wichtiger ist es, alle Opfer sichtbar zu machen und die Verantwortung für diese Geschichte anzunehmen.“
Die Gedenkfeier in Krems stand damit nicht nur im Zeichen des Erinnerns, sondern auch als klare Mahnung für Gegenwart und Zukunft. Die Stadt Krems lädt die Bevölkerung ein, sich weiterhin aktiv am Gedenken zu beteiligen und gemeinsam ein Zeichen für Menschlichkeit, Demokratie und ein dauerhaftes „Nie wieder“ zu setzen.