„Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für eine Energiewende“, betonte Organisator Jürgen Christiansen mit Blick auf aktuelle globale Krisen. Eine erfolgreiche Energiewende basiere auf vier zentralen Säulen: klaren politischen Rahmenbedingungen, ausreichend Kapital, moderner Technologie sowie breiter gesellschaftlicher Akzeptanz. „Die Umstellung auf erneuerbare Energie und vor allem auf Strom ist unumgänglich“, unterstrich auch der Kremser Bürgermeister und Energieexperte Peter Molnar. Österreich habe im Jahr 2025 rund 7,8 Milliarden Euro für die Einfuhr von Erdöl, Kohle und Gas ausgegeben. „Wenn wir unseren Strom komplett selbst erzeugen, bleibt dieses Geld im Land“, verdeutlichte Molnar. Er sprach sich klar für den Ausbau von Elektromobilität und Wärmepumpen aus und sieht hier großes Potenzial: „Österreich kann weltweit eine führende Rolle beim Ausbau und der Vernetzung der erneuerbaren Energien einnehmen.“ Ziel müsse es sein, bis 2030 bundesweit eine zu 100 Prozent erneuerbare, lastgerechte Stromversorgung zu erreichen – aktuell liege der Anteil bei 84 Prozent.
Die Aktivitäten der Stadt Krems
KEM-Managerin Stefanie Widhalm präsentierte die Aktivitäten der Stadt Krems im Bereich Klima und Energie. Seit 2011 ist Krems Klima- und Energiemodellregion mit dem Ziel, energieautark und unabhängig von fossilen Brennstoffen zu werden. Bereits umgesetzt wurden Widhalm zufolge unter anderem ein Masterplan für Elektromobilität mit Ausbau der Ladeinfrastruktur, ein Sanierungsfahrplan für die kommunalen Gebäude, Begrünungsmaßnahmen in der Innenstadt sowie der
E-Gemeindebus in Egelsee. Zudem wurde ein Klimaneutralitätsfahrplan erarbeitet: Die Stadtverwaltung soll bis 2030, die gesamte Stadt bis 2040 klimaneutral werden. Hier ist Krems auch eine von 47 österreichischen Pionierstädten, die sich dieses ambitionierte Ziel gesetzt haben. Derzeit wird im Magistrat ein eigenes Klimabüro eingerichtet.
Maßnahmen zur Senkung der Strompreise
Für den bundespolitischen Blick sorgte Nationalrätin Karin Doppelbauer, Energie- und Budgetsprecherin der NEOS. Sie zeigte sich beeindruckt vom Engagement vor Ort: „Ich bin begeistert, was hier in Krems bereits umgesetzt wurde. Chapeau!“ Energie sei eines der zentralen Zukunftsthemen, und Österreich habe mit seiner Topografie beste Voraussetzungen, die Energiewende erfolgreich zu gestalten. Bereits gesetzte Maßnahmen zur Senkung der Strompreise umfassen Doppelbauer zufolge unter anderem den seit 1. April geltenden Sozialtarif, die Weitergabe gesunkener Beschaffungspreise sowie das Recht auf transparente monatliche Abrechnungen. Geplant seien beschleunigte Genehmigungsverfahren für Projekte der Energiewende.
Erfolgreiche Praxisbeispiele vorgestellt
Im Rahmen der Veranstaltung wurden auch zwei konkrete Praxisbeispiele vorgestellt: Christian Hofmann präsentierte die Energiegemeinschaft „Göttweigblick“ aus Mautern, bei der auch die Stadt Krems Mitglied ist. Darüber hinaus stellte das Wiener Energieberatungs- und Softwareunternehmen „sonnnig“ Lösungen zur Gründung, Verwaltung und Automatisierung von Energiegemeinschaften vor.
Kurt Leonhartsberger, KEM-Manager im Bezirk Perg und Geschäftsführer der impeect GmbH aus Waldhausen im Strudengau, erläuterte die Funktionsweise des bidirektionalen Ladens, bei dem E-Fahrzeuge nicht nur geladen werden, sondern bei Bedarf auch Strom ins Netz zurückspeisen können. Abgerundet wurde die informative Veranstaltung durch einen Fachinput zu Finanzierungsmöglichkeiten von Gemeindeprojekten durch Geschäftsführer Heinz Hofstätter von der FRC Kreditplattform aus St. Pölten.
Die Veranstaltung wurde aus Mitteln des Klima- und Energiefonds gefördert und im Rahmen des Programms „KEM Krems“ durchgeführt.