Die Familie Oser prägte Krems über Generationen hinweg. Von der Mühle am Mühlbach über die erste Dampfmühle der Stadt bis zur Maschinenfabrik an der Ringstraße reichte ihr unternehmerischer Einfluss. Gleichzeitig engagierten sich Familienmitglieder für soziale Projekte, die Entwicklung der Stadt, das Kulturleben und den Ausbau öffentlicher Einrichtungen. Das Buch beleuchtet aber auch die politischen Widersprüche der Zeit und zeigt auf, wie deutschnationale Strömungen schließlich in den Nationalsozialismus mündeten.
„Die Geschichte der Familie Oser erzählt nicht nur von wirtschaftlichem Erfolg und Innovationskraft, sondern auch von den gesellschaftlichen Entwicklungen, die Krems geprägt haben. Gerade diese Verbindung von Unternehmertum, Kultur und Verantwortung macht das Buch zu einer wichtigen Lektüre für alle, die sich für die Geschichte unserer Stadt interessieren. Die Auseinandersetzung mit dem Kapitel des Nationalsozialismus ist dabei unerlässlich, denn für diese mörderische Ideologie darf in unserer Gesellschaft kein Platz sein“, betont Bürgermeister Peter Molnar. Bei der Präsentation verwies Molnar zudem auf die Bedeutung bürgerlichen Engagements für die Entwicklung einer Stadt. Die Familie Oser habe über Generationen hinweg wirtschaftliche Initiative mit sozialem Verantwortungsbewusstsein und Kunstsinn verbunden und damit Krems nachhaltig mitgestaltet.
Moderiert wurde der Abend von Kulturgemeinderätin Elisabeth Kreuzhuber, die die historische Bedeutung der Publikation hervorhob: „Robert Streibel gelingt es, anhand einer einzigen Familie ein faszinierendes Panorama der Kremser Stadtgeschichte zu zeichnen. Das Buch macht sichtbar, wie eng wirtschaftliche, kulturelle und politische Entwicklungen miteinander verflochten sind.“
Einen besonderen Bezug zum Veranstaltungsort stellte Kulturamtsleiter Gregor Kremser her. Die Familie Oser war über Jahrzehnte eng mit dem Museum verbunden, unterstützte dessen Aufbau und vermittelte zahlreiche Objekte an die Sammlungen der Stadt. Zudem präsentierte Josef Oser bereits vor genau 100 Jahren Teile seiner legendären Kunstsammlung im ehemaligen Dominikanerkloster. „Das museumkrems ist daher ein besonders passender Ort für die Präsentation dieses Buches. Die Geschichte der Familie Oser ist eng mit diesem Haus und den Sammlungen der Stadt verbunden“, so Kremser.
Einen besonderen Akzent setzt das Buch mit der Geschichte der bedeutenden Kunstsammlung von Josef Oser. Sie umfasste Gemälde, Grafiken und mittelalterliche Skulpturen von hoher Qualität. Einige Werke gelangten später in die Sammlungen des museumkrems und sind bis heute erhalten. Ein besonderes Kapitel widmet Robert Streibel dem Gemälde „Der Guckkastenmann“ von Martin Johann Schmidt, das über Umwege wieder nach Krems zurückkehrte und derzeit als Leihgabe im Museum zu sehen ist. Für Autor Robert Streibel ist die Familiengeschichte weit mehr als eine lokale Chronik: „Die Geschichte der Familie Oser zeigt, wie eng Fortschritt, gesellschaftlicher Wandel und politische Entwicklungen miteinander verbunden sind. Mich hat besonders fasziniert, wie sich an einer einzigen Familie die Hoffnungen, Leistungen, aber auch die Widersprüche einer ganzen Epoche nachvollziehen lassen.“
Zur Entstehung des Buches beigetragen haben auch der Kremser Orthopäde Andreas Stippler, ein Nachfahre der Familie Oser, und seine Lebensgefährtin Regina Denk. Ihre Recherchen und die Wiederentdeckung des Gemäldes „Der Guckkastenmann“ gaben den Anstoß für die umfassende historische Aufarbeitung.
Auf Initiative von Andreas Stippler erschien das Buch im Verlag Bibliothek der Provinz. Es ist ab sofort zum Preis von 28 Euro im Buchhandel erhältlich.