Thomas Obruča, ehemaliger UNO-Sonderermittler des Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien, las in der Stadtbücherei Krems aus seinem Werk „Ahmići“. Darin schildert er das Schicksal des 13-jährigen Adnan, der beim Massaker im bosnischen Dorf Ahmići im Jahr 1993 schwer verletzt wird und die Ermordung seiner Eltern und seiner Schwester miterleben muss. Auf sich allein gestellt, kämpft der Junge ums Überleben. Die eindringliche Erzählung macht das unermessliche Leid der Zivilbevölkerung sichtbar und erinnert an die Opfer des Krieges. Musikalisch begleitet wurde die Lesung von Franz Gerstl am Akkordeon.
Persönliche Erinnerungen und gelebter Dialog
Im Anschluss an die Lesung sprachen der Autor, der Traismaurer Stadtrat Admir Mehemedovic (Vertreter der bosnischen Gemeinde Krems) und Moderatorin Maria Mayer-Schwingenschlögl über die Möglichkeiten eines friedlichen und konstruktiven Zusammenlebens sowie die Rolle der Religionen dabei. Besonders bereichernd war die zahlreiche Teilnahme von Mitgliedern der bosnischen Gemeinde, die sich seit vielen Jahren im Interreligiösen Dialog engagieren. In persönlichen Gesprächen teilten sie ihre eigenen Erfahrungen und Erinnerungen an den Bosnienkrieg und verliehen dem Abend damit eine besonders berührende und authentische Dimension.
Bei einem Buffet mit kulinarischen Köstlichkeiten bot sich anschließend Gelegenheit, die Gespräche in ungezwungener Atmosphäre fortzusetzen. Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie Literatur und persönliche Begegnungen Brücken zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft schlagen können. Neben der Auseinandersetzung mit der tragischen Vergangenheit Bosniens stand vor allem das Verbindende im Vordergrund.