Geschichte der Stadtbücherei Krems

Bereits seit Ende des 13. Jahrhunderts befinden sich in den Räumlichkeiten der heutigen Stadtbücherei Bücher. Zeugnis davon liefert die Wandmalerei im Zugangsbereich: 

Der Raum, der heute den Eingangsbereich der Stadtbücherei bildet, war die mittelalterliche Bibliothek des Dominikanerklosters. Im  13. Jahrhunderts erhielt er seine sich auf seinen Verwendungszweck beziehende Wandausstattung. Die Bibliothek lag über der Pforte des Klosters, die im Erdgeschoß noch in ihrem ursprünglichen Zustand (samt Gewölbe) in den Räumlichkeiten des Stadtmuseums erhalten ist.
Der ursprüngliche Eingang des Raumes lag wahrscheinlich an der Ostwand. Die heute neuzeitlich verputzte und teilweise durchbrochene Westwand war ursprünglich eine Außenmauer (der Zwickel mit dem Treppenhaus wurde später hinzugefügt, um einen rechten Winkel zur benachbarten Westfassade herzustellen). Sie verfügte vermutlich über zwei Fenster, von denen das nördliche noch in Resten vorhanden war, bis es im Zuge der Baumaßnahmen für eine Türöffnung in diesem Bereich abgetragen wurde.

Der Bibliotheksraum war ursprünglich gewölbt, um den kostbaren Inhalt möglichst brandsicher unterzubringen. Im Falle einer Holzdecke wäre das nicht in diesem Maße gewährleistet gewesen. Die Gewölbeansätze, die sich jeweils in den vier Ecken und in der Mitte einer jeden Wand befanden und ein achtstrahliges Gewölbe ergaben, ruhten vermutlich auf halbrunden Diensten bzw. wandvorlagen, die in Konsolen ausliefen. Reste davon sind an der Ostwand sowie in geringerem Umfang in der nordwestlichen und südöstlichen Ecke vorhanden. Die Konsolen waren vermutlich plastisch gestaltet, wovon geringe Reste an der Ostwand vorhanden sind. Die Reste des verhältnismäßig steil ansetzenden Ziegelgewölbes sind im oberen Wandbereich von Nord-, Süd- und Ostwand in Form eines roten Konturstriches noch erkennbar.

Das Gewölbe wurde vermutlich im Zuge der Aufstockung des Westtraktes des Dominikanerklosters im 17. Jhd. abgetragen. Anstelle des älteren Gewölbes trat nun ein niedriges Tonnengewölbe; die plastischen Wandvorlagen wurden abgeschlagen um einen glatten Putz zu ermöglichen.
Unterhalb der Wandvorlagen der Ostwand befindet sich das Fragment einer Verkündigungsszene.

Die Malerei wurde al secco (auf den trockenen Verputz) auf die Wand aufgetragen. Zeitgleich sind die Inschriften, die ebenfalls in das letzte Viertel des 13. Jahrhunderts zu datieren sind.

Text von Dr. Helga Schönfellner-Lechner

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